Klagelieder

Klagelieder 3

Schlachter 1951
1

Ich bin der Mann, der tief gebeugt worden ist durch die Rute seines Zorns.

💡 Andacht
2

Mich hat er verjagt und in die Finsternis geführt und nicht ans Licht.

💡 Andacht
3

Nur gegen mich kehrt er immer wieder den ganzen Tag seine Hand.

💡 Andacht
4

Er hat mein Fleisch und meine Haut verschlungen und meine Knochen zermalmt.

💡 Andacht
5

Er hat rings um mich her Gift und Drangsal aufgebaut.

💡 Andacht
6

In dunkeln Höhlen läßt er mich wohnen wie längst Verstorbene.

💡 Andacht
7

Er hat mich eingemauert, daß ich nicht herauskommen kann; mit ehernen Ketten hat er mich beschwert.

💡 Andacht
8

Ob ich auch schreie und rufe, verstopft er doch die Ohren vor meinem Gebet.

💡 Andacht
9

Quadersteine legt er mir in den Weg, krümmt meine Pfade.

💡 Andacht
10

Er lauert mir auf wie ein Bär, wie ein Löwe im Dickicht.

💡 Andacht
11

Er hat mich auf Abwege gebracht, istüber mich hergefallen und hat mich arg zugerichtet.

💡 Andacht
12

Er hat seinen Bogen gespannt und mich dem Pfeile zum Ziel gesetzt.

💡 Andacht
13

Er hat mir seines Köchers Söhne in die Nieren gejagt.

💡 Andacht
14

Ich bin allem Volk zum Gelächter geworden, ihr Liedlein den ganzen Tag.

💡 Andacht
15

Er hat mich mit Bitterkeit gesättigt, mit Wermut getränkt.

💡 Andacht
16

Er ließ meine Zähne sich an Kies zerbeißen, er hat mich mit Asche bedeckt.

💡 Andacht
17

Und du hast meine Seele aus dem Frieden verstoßen, daß ich des Glückes vergaß.

💡 Andacht
18

Und ich sprach: Meine Lebenskraft ist dahin, meine Hoffnung auf den HERRN.

💡 Andacht
19

Sei eingedenk meines Elends, meiner Verfolgung, des Wermuts und des Gifts!

💡 Andacht
20

Beständig denkt meine Seele daran und ist tief gebeugt!

💡 Andacht
21

Dieses aber will ich meinem Herzen vorhalten, darum will ich Hoffnung fassen:

💡 Andacht
22

Gnadenbeweise des HERRN sind's, daß wir nicht gänzlich aufgerieben wurden, denn seine Barmherzigkeit ist nicht zu Ende;

💡 Andacht
23

sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß!

💡 Andacht
24

Der HERR ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen.

💡 Andacht
25

Der HERR ist gütig gegen die, welche auf ihn hoffen, gegen die Seele, die nach ihm fragt.

💡 Andacht
26

Gut ist's, schweigend zu warten auf das Heil des HERRN.

💡 Andacht
27

Es ist einem Manne gut, in seiner Jugend das Joch zu tragen.

💡 Andacht
28

Er sitze einsam und schweige, wenn man ihm eines auferlegt!

💡 Andacht
29

Er stecke seinen Mund in den Staub; vielleicht ist noch Hoffnung vorhanden!

💡 Andacht
30

Schlägt ihn jemand, so biete er ihm den Backen dar und lasse sich mit Schmach sättigen!

💡 Andacht
31

Denn der Herr wird nicht ewig verstoßen;

💡 Andacht
32

sondern wenn er betrübt hat, so erbarmt er sich auch nach der Größe seiner Gnade.

💡 Andacht
33

Denn nicht aus Lust plagt und betrübt ER die Menschenkinder.

💡 Andacht
34

Wenn alle Gefangenen eines Landes mit Füßen getreten,

💡 Andacht
35

wenn das Recht eines Mannes vor dem Angesicht des Höchsten gebeugt,

💡 Andacht
36

die Rechtssache eines Menschen verdreht wird, sollte der Herr es nicht beachten?

💡 Andacht
37

Wer hat je etwas gesagt und es ist geschehen, ohne daß der Herr es befahl?

💡 Andacht
38

Geht nicht aus dem Munde des Höchsten das Böse und das Gute hervor?

💡 Andacht
39

Was beklagt sich der Mensch? Es hätte sich wahrlich jederüber seine Sünde zu beklagen!

💡 Andacht
40

Lasset uns unsere Wege erforschen und durchsuchen und zum HERRN zurückkehren!

💡 Andacht
41

Lasset uns unsere Herzen samt den Händen zu Gott im Himmel erheben!

💡 Andacht
42

Wir sind abtrünnig und widerspenstig gewesen; das hast du nicht vergeben;

💡 Andacht
43

du hast dich im Zorn verborgen und uns verfolgt; du hast uns ohne Gnade erwürgt;

💡 Andacht
44

du hast dich in eine Wolke gehüllt, daß kein Gebet hindurchdrang;

💡 Andacht
45

du hast uns zu Kot und Abscheu gemacht unter den Völkern!

💡 Andacht
46

Alle unsere Feinde haben ihr Maul gegen uns aufgesperrt.

💡 Andacht
47

Grauen und Grube wurden uns beschieden, Verwüstung und Untergang.

💡 Andacht
48

Es rinnen Wasserbäche aus meinen Augen wegen des Untergangs der Tochter meines Volkes.

💡 Andacht
49

Mein Auge tränt unaufhörlich; denn da ist keine Ruhe,

💡 Andacht
50

bis der HERR vom Himmel herabschauen und dareinsehen wird.

💡 Andacht
51

Was ich sehen muß, tut meiner Seele weh ob aller Töchter meiner Stadt.

💡 Andacht
52

Die mich ohne Ursache hassen, stellten mir heftig nach wie einem Vogel;

💡 Andacht
53

sie wollten mich in der Grube ums Leben bringen und warfen Steine auf mich.

💡 Andacht
54

Die Wasser gingenüber mein Haupt; ich sagte: Ich bin verloren!

💡 Andacht
55

Aber ich rief, HERR, deinen Namen an, tief unten aus der Grube.

💡 Andacht
56

Du hörtest meine Stimme:«Verschließe dein Ohr nicht vor meinem Seufzen, vor meinem Hilferuf!»

💡 Andacht
57

Du nahtest dich mir des Tages, als ich dich anrief, du sprachest: Fürchte dich nicht!

💡 Andacht
58

Du führtest, o Herr, die Sache meiner Seele, du rettetest mir das Leben!

💡 Andacht
59

Du hast, o HERR, meine Unterdrückung gesehen; schaffe du mir Recht!

💡 Andacht
60

Du hast all ihre Rachgier gesehen, alle ihre Anschläge wider mich;

💡 Andacht
61

du hast, o HERR, ihr Schmähen gehört, alle ihre Pläne gegen mich,

💡 Andacht
62

die Reden meiner Widersacher und ihr beständiges Murmelnüber mich.

💡 Andacht
63

Siehe doch: ob sie niedersitzen oder aufstehen, so bin ich ihr Spottlied.

💡 Andacht
64

Vergilt ihnen, o HERR, nach dem Werk ihrer Hände!

💡 Andacht
65

Gib ihnen Verstockung ins Herz, dein Fluch kommeüber sie!

💡 Andacht
66

Verfolge sie in deinem Zorn und vertilge sie unter dem Himmel des HERRN hinweg!

💡 Andacht