Hiob

Hiob 3

Schlachter 1951
1

Darnach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte den Tag seiner Geburt.

💡 Andacht
2

Hiob hob an und sprach:

💡 Andacht
3

Verloren gehe der Tag, da ich geboren bin, die Nacht, da es hieß: Ein Knabe ist gezeugt!

💡 Andacht
4

Verfinstert werde dieser Tag; Gott in der Höhe frage nicht nach ihm, und niemals falle ein Lichtstrahl darauf!

💡 Andacht
5

Finsternis und Todesschatten nehme ihn ein, Gewölk umhülle ihn undüberfalle diesen trüben Tag!

💡 Andacht
6

Und jene Nacht; Das Dunkel raffe sie weg, sie freue sich in des Jahres Tagen nie und komme nicht in die Zahl der Monde.

💡 Andacht
7

Ja, jene Nacht sei unfruchtbar, kein Jubel ertöne in ihr!

💡 Andacht
8

Die, so den Tagen Böses losen und imstande sind, den Drachen aufzuwecken, sollen sie verfluchen.

💡 Andacht
9

Verfinstert müssen ihrer Dämmerung Sterne sein, sie warte auf Licht und es bleibe aus; sie schaue auch die Wimpern der Morgenröte nicht!

💡 Andacht
10

Weil sie den Mutterleib mir nicht verschloß und den Jammer nicht vor meinen Augen verbarg.

💡 Andacht
11

Warum starb ich nicht gleich bei der Geburt und kam nicht um, sobald ich aus Mutterschoße ging?

💡 Andacht
12

Warum kamen mir Knie entgegen und wozu Brüste, daß ich sog?

💡 Andacht
13

Denn jetzt läge ich da und wäre stille; wäre ich entschlafen, so hätte ich nun Ruhe

💡 Andacht
14

mit Königen und Landesräten, die sich Steinhaufen erbaut haben,

💡 Andacht
15

oder mit Fürsten, reich an Gold, die in ihren Häusern Silber häuften.

💡 Andacht
16

Oder wäre ich gar niemals dagewesen, wie eine verborgene Fehlgeburt, den Kindlein gleich, die nie das Licht gesehen haben!

💡 Andacht
17

Dort hört der Frevler Toben auf, dort finden die Erschöpften Ruh;

💡 Andacht
18

alle Gefangenen sind dort in Frieden, sie hören die Stimme des Treibers nicht mehr;

💡 Andacht
19

Kleine und Große sind daselbst, und der Knecht ist frei von seinem Herrn!

💡 Andacht
20

Warum läßt er Lebensmüde noch die Sonne sehen und zwingt er betrübte Seelen noch zu leben?

💡 Andacht
21

die auf den Tod harren, und er kommt nicht, die nach ihm graben, mehr als nach Schätzen;

💡 Andacht
22

die sich freuen würden und jubelten, die frohlockten, wenn sie ein Grab fänden.

💡 Andacht
23

[ Was soll das Leben] dem Manne, dem sein Weg verborgen ist, den Gott rings umzäunt hat?

💡 Andacht
24

Denn statt zu essen, seufze ich, und meine Klage ergießt sich wie ein Wasserstrom.

💡 Andacht
25

Denn was ich gefürchtet habe, das istüber mich gekommen, und wovor mir graute, das hat mich getroffen.

💡 Andacht
26

Ich kann nicht ruhen und nicht rasten, und kaum habe ich mich erholt, so kommt ein neuer Sturmüber mich.

💡 Andacht