Hiob

Hiob 29

Schlachter 1951
1

Und Hiob fuhr in dem Vortrag seiner Sprüche fort und sprach:

💡 Andacht
2

Wer gibt mir die vorigen Monate zurück und die Tage, in welchen Gott mich behütete?

💡 Andacht
3

als seine Leuchteüber meinem Haupte schien und ich in seinem Lichte durch das Dunkel ging;

💡 Andacht
4

wie ich in den Tagen meines Herbstes vertrauten Umgang mit Gott bei meinem Zelte pflog;

💡 Andacht
5

als der Allmächtige noch mit mir war und meine Knaben um mich her;

💡 Andacht
6

da ich meine Tritte in Milch badete und der Fels neben mirÖl in Strömen goß;

💡 Andacht
7

als ich noch zum Tore ging, zur Stadt hinauf, und meinen Sitz auf dem Markt aufstellte.

💡 Andacht
8

Wenn mich die Knaben sahen, so verbargen sie sich, die Greise standen auf und blieben stehen.

💡 Andacht
9

Die Fürsten hörten auf zu reden und legten die Hand auf den Mund.

💡 Andacht
10

Die Stimme der Vornehmen stockte, und ihre Zunge klebte am Gaumen.

💡 Andacht
11

Wessen Ohr mich hörte, der pries mich glücklich, und wessen Auge mich sah, der stimmte mir zu.

💡 Andacht
12

Denn ich rettete den Elenden, der da schrie, und das Waislein, das keinen Helfer hatte.

💡 Andacht
13

Der Segen des Verlorenen kamüber mich, und ich machte das Herz der Witwe jauchzen.

💡 Andacht
14

Gerechtigkeit zog ich an, und sie bekleidete mich, mein Talar und Turban war das Recht.

💡 Andacht
15

Ich war des Blinden Auge und des Lahmen Fuß.

💡 Andacht
16

Ich war des Armen Vater; und die Streitsache, die ich nicht kannte, untersuchte ich.

💡 Andacht
17

Ich zerbrach die Stockzähne des Ungerechten und riß ihm den Raub aus den Zähnen.

💡 Andacht
18

Und so dachte ich, ich würde mit meinem Neste sterben und wie der Phönix viele Tage erleben.

💡 Andacht
19

Meine Wurzel war an Wassern ausgebreitet, und der Tauübernachtete auf meinem Zweig.

💡 Andacht
20

Meine Herrlichkeit erneuerte sich bei mir, und mein Bogen verjüngte sich in meiner Hand.

💡 Andacht
21

Auf mich hörte und wartete man und lauschte stillschweigend auf meinen Rat.

💡 Andacht
22

Auf meine Rede folgte kein Widerspruch, und meine Worte träufelten auf sie.

💡 Andacht
23

Sie harrten auf mich, wie das Erdreich auf einen Regen, und sperrten ihren Mund auf, wie nach einem Spätregen.

💡 Andacht
24

Lächelte ich sie an, so konnten sie es kaum glauben, und das Licht meines Angesichts konnten sie nicht verdunkeln.

💡 Andacht
25

Ich prüfte ihren Weg und saß oben an und wohnte wie ein König unter dem Volke, wie einer, der die Traurigen tröstet.

💡 Andacht