Hiob

Hiob 10

Schlachter 1951
1

Meiner Seele ekelt vor dem Leben; ich will mich meiner Klageüberlassen, will reden in der Betrübnis meiner Seele.

💡 Andacht
2

Ich spreche zu Gott: Verdamme mich nicht! Tue mir kund, weshalb du mich befehdest.

💡 Andacht
3

Dünkt es dich gut, das Werk deiner Hände zu unterdrücken und zu verwerfen, während duüber den Rat der Gottlosen dein Licht leuchten lässest?

💡 Andacht
4

Hast du Fleischesaugen, oder siehst du, wie ein Sterblicher sieht?

💡 Andacht
5

Sind denn deine Tage wie Menschentage, deine Jahre den Jahren eines Mannes gleich,

💡 Andacht
6

daß du nach meiner Schuld forschest und nach meiner Sünde fragst,

💡 Andacht
7

da du doch weißt, daß ich unschuldig bin und mich niemand aus deiner Hand erretten kann?

💡 Andacht
8

Deine Hände haben mich gebildet und gemacht ganz und gar, und du wolltest mich nun vernichten?

💡 Andacht
9

Gedenke doch, daß du mich wie Ton gebildet hast; willst du mich wieder in Staub verwandeln?

💡 Andacht
10

Hast du mich nicht wie Milch hingegossen und wie Käse mich gerinnen lassen?

💡 Andacht
11

Mit Haut und Fleisch hast du mich bekleidet, mit Gebeinen und Sehnen mich durchwoben.

💡 Andacht
12

Leben und Gnade hast du mir geschenkt, und deine Obhut bewahrte meinen Geist.

💡 Andacht
13

Und doch hegst du solches in deinem Herzen; ich weiß, daß es bei dir so beschlossen ist, daß,

💡 Andacht
14

wenn ich sündigte, du darauf achten und mich nicht lossprechen würdest von meiner Missetat!

💡 Andacht
15

Habe ichÜbles getan, dann wehe mir! Und bin ich im Recht, so darf ich mein schmachbedecktes Haupt doch nicht erheben, sondern muß mich satt sehen an meinem Elend!

💡 Andacht
16

Wagt es aber, sich zu erheben, so verfolgst du mich wie ein Löwe und handelst noch unbegreiflicher mit mir;

💡 Andacht
17

du stellst neue Zeugen wider mich auf, mehrst deinen Zorn gegen mich, bietest stets frische Scharen, ja ein Heer wider mich auf!

💡 Andacht
18

Warum hast du mich aus dem Mutterleibe hervorgebracht? Wäre ich doch umgekommen, ohne daß mich ein Auge gesehen hätte!

💡 Andacht
19

So würde ich sein, als wäre ich niemals gewesen, vom Mutterleibe weg ins Grab gelegt.

💡 Andacht
20

Ist meine Lebenszeit nicht kurz genug? Er stehe doch ab, lasse ab von mir, daß ich mich ein wenig erhole,

💡 Andacht
21

ehe ich dahinfahre auf Nimmerwiederkehren ins Land der Finsternis und des Todesschattens,

💡 Andacht
22

an den dunkeln Ort, wo Finsternis und keine Ordnung herrscht, und wo der Tag nicht heller ist als die Nacht!

💡 Andacht